Raketengleichung

6.4. Raketengleichung#

Mit Hilfe der Impulserhaltung lassen sich nun die Bewegungsgleichungen einer Rakete herleiten.

Hierzu gelten folgende Annahmen:

  • Gesucht wird die Bewegungsgleichung einer sonst kräftefreien (idealisierten) Rakete

  • Die Beschleunigung wird durch einen kontinuierlichen Ausstoß des Treibstoffs erzeugt (konstanter Massenstrom)

  • möglicher Luftwiderstand wird vernachlässigt

Für Kraft und Impuls gilt dadurch der Zusammenhang

\(\vec{F} = \frac{d \vec{p}}{dt} = \frac{d}{dt} \left( m \cdot \vec{v}\right)\)

Da das System aus Rakete und ausgestoßenem Treibstoff abgeschlossen und kräftefrei ist, gilt

\(\frac{d\vec{p}}{dt} = 0\)

Da der Impuls über den Ausstoß von Treibstoff erzeugt wird, ändert sich die Masse der Rakete und es gilt

\(\frac{d}{dt}m = \dot{m} \neq 0\)

Das Koordinatensystem wird so gewählt, dass die Bewegung im momentanen Schwerpunktsystem der Rakete betrachtet wird.

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Fig. 6.7 Darstellung des Raketenantriebs#

Die Beschleunigung der Rakete, also die Impulsänderung der Rakete, wird durch Treibstoffausstoß hervorgerufen (siehe Abbildung 6.7 ). Zwischen einem Zeitpunkt \(t\) und \(t + \Delta t\) wird ein Treibstoffelement \(\Delta m\) ausgestoßen. Das ausgestoßene Treibstoffelement bewegt sich mit der Geschwindigkeit \(u\) nach unten, die Rakete mit \(v + \Delta v\) nach oben.

\(\Delta p = \Delta p_{Rakete} = p(t+\Delta t) -p(t) = \left(\left(m - \Delta m \right) \cdot \left(v + \Delta v \right) + \Delta m\cdot u\right) - m\cdot v = m \Delta v - \Delta m \cdot v_{rel} \)

mit \(v_{rel} = v+\Delta v-u > 0\)

als Betrag der Ausströmgeschwindigkeit des Treibstoffs relativ zur Rakete. Die ausgestoßene Masse \(\Delta m\) entspricht der Abnahme der Raketenmasse, d.h. \(\Delta m = - dm\).

Da der Treibstoffausstoß kontinuierlich vonstatten geht, geht man zu infinitesimal kleinen Zeitschritten und Treibstoffelementen über.

\(\Delta t \rightarrow dt \Rightarrow \frac{dp}{dt} = m\cdot \frac{dv}{dt} + \frac{dm}{dt}\cdot v_{rel}\)

Da eine von äußeren Kräften freie Rakete betrachtet wird, ist \(F_{aussen} = 0\) und somit

\(F_{aussen} = \frac{dp}{dt} = 0 = m\cdot \frac{dv}{dt} + \frac{dm}{dt}\cdot v_{rel}\)

Damit ergibt sich folgende zu lösende (Differential-) Gleichung:

\(m\cdot \frac{dv}{dt} = - \dot{m}\cdot v_{rel} = \mu \cdot v_{rel}\)

mit \(\dot{m} = \frac{dm}{dt} < 0\) (die Raketenmasse nimmt ab) und dem konstanten ausgestoßenen Massenstrom \(\mu = - \dot{m} > 0\).

Die Lösung dieser Gleichung ist \(v(t) = -v_{rel} \cdot \ln (m(t)) + C\)

Beweis

\(\frac{d v(t)}{dt} = -v_{rel} \frac{d}{dt} \ln \left( m(t) \right) + \frac{d C}{dt} = -v_{rel} \frac{1}{m(t)} \frac{d m(t)}{dt} = -v_{rel}\frac{\dot{m}(t)}{m(t)} \)

Die Integrationskonstante lässt sich durch die Anfangsbedingung bestimmen. Für den Zeitpunkt \(t=0\) gilt:

\(v (t=0) = 0 \) mit \(m (t=0) = m_0\)

\(\Rightarrow 0 = - v_{rel} \cdot ln \left( m_0 \right) + C \Leftrightarrow C = v_{rel}\cdot ln \left( m_0 \right)\)

Damit gilt für die Rakete

\(v(t) = - v_{rel} \cdot \left( \ln \left( m(t) \right) - \ln \left( m_0 \right) \right) \Leftrightarrow v(t) = v_{rel} \left( \ln \left( \frac{1}{m(t)} \right) +\ln \left( m_0 \right) \right) \Leftrightarrow v(t) = v_{rel} \cdot \ln \left( \frac{m_0}{m(t)} \right)\)

Die Masse der Rakete setzt sich zusammen aus ihrer Eigenmasse und der Treibstoffmasse. Ist der Treibstoff leer gilt \(m(t) = m_R\) und die Rakete hat ihre Endgeschwindigkeit erreicht

\(\Rightarrow v_{end} = v_{rel} \cdot \ln \left(\frac{m_R + m_T}{m_R} \right) \Leftrightarrow v_{end} = v_{rel} \cdot \ln \left( 1 + \frac{m_T}{m_R} \right)\)